Seit vielen Jahren ist der AK Justiz im „Arbeitskreis Stolpersteine“ in Mannheim durch intensive Teilnahme vertreten. In dieser Zeit werden zahlreiche Stolpersteine initiiert, teilweise treten Angehörige mit der Bitte um Verlegung der Steine an den AK heran. Ansprachen bei der Verlegung einzelner Steine sowie die organisatorische und ganz praktische Unterstützung von Gunter Demnig gehören ebenfalls zu den Aufgaben des AK.
Folgende Personen, für die Stolpersteine verlegt sind, wurden durch die Arbeit des AK-Justiz aus dem Vergessen geholt:

  • Walter Wassermann, jüdischer Bürger Mannheims
  •  Ilse Klußmann, Opfer von Zwangssterilisation
  • Familie Droller, jüdische Bürger und Opfer von Arisierung
  • Alice Dorell, Schauspielerin und Kabarettistin
  • Karl Johann Gaisbauer, Euthanasieopfer
  • Willi Hirsch, jüdischer Bürger, wegen angeblichen Devisenvergehens, im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet.
  • Wilhelm und Wilhelmine Hartnagel, Todesopfer des Sondergerichts
  • Rosa Eckel und Margarete Stögbauer, Todesopfer des Sondergerichts
  • Georg Ehret, Todesopfer des Sondergerichts.

Sieben Stolpersteine für die Familie Droller in P7, 22 – 22. 10. 2016

Am 22. Oktober 2016 wurden auf den Planken in P 7,22 sieben Stolpersteine für die Familie Droller gelegt - vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus, ein Einrichtungshaus für hochwertiges Mobiliar.

Zur Stolpersteinverlegung waren über 20 Familienmitglieder aus aller Welt gekommen. Es sprach Doris Kullman, eine Nichte von Alice Droller.

Alice Droller - oder Dorell, wie sie sich mit Künstlernamen nannte - hatte im Nationaltheater als Schauspielerin debütiert und sich später als Kabarettistin einen Namen gemacht. Doris Kullman schilderte, wie die jüdische Familie schon 1933 nach Holland auswanderte und dann doch 1942 von den Nazis deportiert und ermordet wurde. Nur zwei Geschwister überlebten.

Stolpersteine für die Familie Droller

Stolperstein für Ilse Klußmann in Neuostheim – 22. 10. 2016

Am 22. Oktober 2016 wurde in der Corneliusstraße ein Stolperstein für Ilse Klußmann gelegt. Sie wurde als junge Frau 1936 trotz Widerstandes der Familie zwangssterilisiert und von einer Hochschulausbildung ausgeschlossen. Ihre Verlobung wurde von ihrem Partner beendet, weil sie keine Kinder bekommen konnte.

Ilse Klußmann lebte bis 1999. Sie arbeitete bei der BASF. Ihre Nichte sprach bei der Verlegung und erzählte, dass Ilses Schicksal immer von der Zwangssterilisierung bestimmt war. Zu ihrem Andenken schilderte sie sehr bewegend die Erinnerungen an ihre geliebte Tante und zeigte dabei Erinnerungsfotos.

Das zahlreiche Publikum aus der Nachbarschaft kannte und schätze Ilse Klußmann. Der Stolperstein zu Ilse Klußmann steht jetzt für fast 2000 Mannheimerinnen und Mannheimer, die in der nationalsozialistischen Regierungszeit zwangsweise sterilisiert wurden

Stolperstein Klussmann

Stolperstein für Georg Ehret in der Rheinhäuser Straße 56 – 12. 3. 2010

Georg Ehret war ein Opfer des NS-Sondergerichts. Er wurde am 13.12.1943 wegen sogenannter Plünderung zum Tode verurteilt und am 15.1.1944 in Stuttgart hingerichtet.

Am 5. September 1943 ging ein schwerer Bombenangriff auf Mannheim nieder. Das Vorderhaus der Rheinhäuser Straße, das dem Kartoffelgroßhändler Joseph Kuhn gehörte, brannte aus. Bei den Löscharbeiten beteiligen sich auch Georg Ehret und eine Menge Soldaten. Die Löscharbeiten und Brandwachen dauern mehr als zwei Tage. Die Soldaten bergen Lebensmittel und Wein aus dem Keller des brennenden Hauses und tragen sie weg. Als Ehret sie darauf anspricht, was sie da wegtragen, erwidert einer: „Halt doch dei Gosch“ und stellt 15 Fleischkonserven aus der Kiste im Hof ab und geht weg. Diese 15 Dosen hat Ehret in sein Gartenhäuschen auf dem Almenhof gebracht.

Für den Stolperstein hat der AK-Justiz die Patenschaft übernommen.

Die Rede des AK-Justiz zur Verlegung des Stolpersteins kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.59.44 KB

Stolperstein für Georg Ehret in der Rheinhäuser Straße 56 – 12. 3. 2010

Stolpersteine für Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer in der Neckarstadt – 25. 3. 2009

In der Mittelstraße vor dem Eingang zur Lupinen-Straße, einer Bordellgasse, wurden zwei Stolpersteine verlegt, die auf den gewaltsamen Tod der beiden Prostituierten in der Zeit des Nationalsozialismus hinweisen. Sie wurden wegen eines Bagatelldeliktes vom Mannheimer NS-Sondergericht zum Tode verurteilt.

Im Anschluss verteilten die bei der Verlegung Anwesenden ein Infoblatt an die Beschäftigten in der Lupinenstraße, die diese ungewöhnliche Aktion mit Interesse und Anteilnahme verfolgten. Es sind dies die einzigen Stolpersteine, die je für Prostituierte als Opfer des Faschismus gesetzt wurde.

Das Schicksal der beiden Frauen hat der AK-Justiz in einer szenischen Lesung bearbeitet Das Infoblatt mit mehr Informationen kann hier heruntergeladen werden.

Die Frauen von Hydra und Tamara (Berliner und Frankfurter Interessenvertretungen für Prostituierte) begrüßen die Initiative und halten die Bearbeitung des Themas für wichtig.
Die 2013 gegründete Beratungsstelle Amalie in der Neckarstadt hat auf den Stolpersteinen ab und zu Blumen abgelegt.

Für die Stolpersteine hat der AK-Justiz die Patenschaft übernommen.

Stolpersteine für Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer am 25. März 2009 in der Neckarstadt

Stolpersteine für Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer am 25. März 2009 in der Neckarstadt

Stolpersteine für Wilhelm und Wilhelmine Hartnagel in F 4,7 – 7. 5. 2007

Das Ehepaar Willi und Wilhelmine Hartnagel wurde gleich mehrfach das Opfer von NS-Juristen. Schon 1938 wurden sie 18- und 24-jähig vor das Erbgesundheitsgericht zitiert, das sie nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ als „schwachsinnig“ und „schizophren“ einstufte. Das Erbgesundheitsgericht entschied, dass sie zwangssterilisiert werden sollten. Erst nachdem sie beide gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht waren, durften sie heiraten.

Sie gingen beide einem Beruf nach, Willi als Lagerarbeiter, Wilhelmine als Straßenbahnschaffnerin.

Im September 1943 wurde Willi Hartnagel von seinem ehemaligen Arbeitgeber Weickum, Ratsherr und Ortsgruppenleiter der NSDAP (Sandhofen) mit einem florierenden Wein- und Spirituosen Handel, angezeigt: Willi Hartnagel habe 6 Flaschen Wein aus dem zerbombten Weinlager entwendet. Vor dem Sondergericht wurde den jungen Eheleuten Hartnagel, die beide nicht vorbestraft waren, nun ein Prozess gemacht, in dem sie keinerlei Möglichkeit der Verteidigung hatten.

Die Richter befanden, dass Willi Hartnagel die Straftat "infolge seiner psychopathischen Haltlosigkeit und moralischen Minderwertigkeit" ausgeübt habe. Unzurechnungsfähigkeit liege nicht vor. Das Gericht verurteilte ihn als „Volksschädling“ zum Tode. Am 2.3.1944  wurde er in Stuttgart hingerichtet.

Seine Frau Wilhelmine wurde zu vier Jahren Zuchthaus wegen „Beihilfe“ verurteilt. Sie musste diese Strafe noch bis Ende 1946 absitzen. Diese Nazi-Urteile wurden erst 1998 als NS-Unrecht aufgehoben.

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Für die Stolpersteine hat der AK-Justiz die Patenschaft übernommen.

Stolpersteine Hartnagel
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