„Die Unfruchtbarmacher“

Aus Originalakten entwickelt Eva Martin Schneider in Zusammenarbeit mit dem AK-Justiz die szenische Lesung „Die Unfruchtbarmacher“. Sie zeichnet für drei Mannheimer*innen die Mühle des Verfahren nach: Anzeige, psychiatrische Begutachtung, Intelligenztest, Nachforschungen des Gerichts, Gerichtsverfahren, Beschluss und Zwang. Sie beschreibt auch die Zeit nach 1945. Betroffene treffen bei dem Bemühen um Anerkennung auf genau dieselben Personen, die schon in der NS-Zeit über sie entschieden hatten. Sie werden nach 1945 lange nicht als Opfer anerkannt und entschädigt.

Die Uraufführung findet am 14. Juli 2008 im Mannheimer Gesundheitsamt statt, dem 75. Jahrestag der Erlassung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ 1933. Es treten dabei vor allem Mitglieder und Freund*innen des Arbeitskreises auf. Wir unterstreichen damit unsere Forderung nach einem Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisation in Mannheim.

Die szenische Lesung führt der AK-Justiz in den folgenden fünf Jahren an den Institutionen auf, die an der Zwangssterilisation beteiligt waren: Gesundheitsamt, Gericht, Universitätsklinikum, Diakonissenkrankenhaus; seit 2013 in der Regel auch bei der jährlichen „Wanderung“ des Mahnmals.

Die Unfruchtbarmacher – szenische Lesung DVDWir waren mit unseren Stück aber auch eingeladen in die Prinzhornsammlung Heidelberg, beim Mannheimer Theater TIG7, ins Oberlandesgericht Karlsruhe und zum 27. Januar 2019 ins Psychiatrische Zentrum Nordbaden nach Wiesloch. Im Januar 2019 führten Belegschaftsmitglieder der Psychiatrie in Sigmaringen die szenische Lesung eigenständig auf.

Bis 2020 hat der AK-Justiz das Stück 20 Mal gespielt. Im März 2019 nahm Klaus Woller das Stück als Film auf. Der Dokumentarfilm ist als DVD erhältlich.

Der Trailer zeigt einen kurzen Zusammenschnitt von Szenen aus der Lesung "Die Unfruchtbarmacher". Die DVD der gesamten szenischen Lesung geht eine knappe Stunde Sie kann beim AK-Justiz unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gegen einen Unkostenbeitrag von 5 € bestellt werden.

Link zum Trailer

27. 1. 2019:
Psychiatrisches Zentrum Nordbaden Wiesloch

Eines der drei Mahnmale für die Opfer der Euthanasie im PZN Wiesloch

Auf Einladung des PZN zeigten wir vor Beschäftigten und Patienten und Interessierten aus Wiesloch die szenische Lesung. Die Holocaust-Gedenkveranstaltung wird im Wechsel von der Psychiatrie und der Stadt Wiesloch ausgerichtet.

In der Psychiatrie wurden in der NS-Zeit Zwangssterilisationen veranlasst, oft war dies die Voraussetzung für eine Entlassung.

Seit den 1980er Jahren hat sich das PZN mit seiner Rolle bei der Euthanasie auseinander gesetzt. Es werden geführte Rundgänge angeboten, sowohl im Gelände wie auch virtuell. Auf der Webseite ist die Geschichte ausführlich dokumentiert. Darüber hinaus hat Frank Janzowski eine 440 Seiten starke Dokumentation herausgebracht: Die NS-Vergangenheit in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch „... so intensiv wenden wir unsere Arbeitskraft der Ausschaltung der Erbkranken zu.“
www.pzn-wiesloch.de/unser-zentrum/geschichte

28. 11. 2017:
Oberlandesgericht Karlsruhe

Lesung im Oberlandesgericht Karlsruhe 2017Am 28. November 2017 an einem historischen Ort: im Oberlandesgericht Karlsruhe in dem Gebäude, in dem vor 80 Jahren das Erbgesundheitsobergericht seine unsäglichen Beschlüsse fasste. Nur wenigen, die heute dort arbeiten, war dies bekannt. Die Festschrift zu 200 Jahre OLG (erschienen 2003) geht auf das Erbgesundheitsgericht gerade mal mit 2 von 500 Seiten ein.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Ausstellung "Grafeneck 1940 - Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland" statt, die bis zum 2. März 2018 im benachbarten Generallandesarchiv Karlsruhe gezeigt wurde.

 

23. 11. 2010:
Hochschule Mannheim

Plakat HochschuleLesung in der Aula auf Einladung von „campus aktiv“

 

12. 4. 2010:
Sammlung Prinzhorn Heidelberg

Sammlung Prinzhorn HeidelbergDie „Sammlung Prinzhorn“ gehört zur Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg.Die Lesung fand im Rahmen der Ausstellung: „Bilder einer Zwangssterilisierung Wilhelm Werner (1898-1940)“ statt. Wilhelm Werner lebte seit 1919 in der Anstalt Werneck. Der Überlieferung nach zeichnete er die Blätter zwischen 1934 und 1938 nach seiner Zwangssterilisierung. Die Erfahrung des entwürdigenden Eingriffs setzte er in beeindruckend phantasievolle und eigenständige Bilder um. Zwei Jahre später wurde Werner Opfer der NS-"Euthanasie".

 

30. 11. 2009:
TIG7 Mannheim

Zwangssterilisation TIG7

Am 30.11.09, im Theater in G 7, 4 TIG7 Mannheim mit Unterstützung der Gewerkschaft ver.di.

 

10. 6. 2009:
Diakonissenkrankenhaus, Mannheim

Zwangssterilisation Diakonissen khDas evangelische Diakonissenkrankenhaus war eines der drei Häuser, in dem Zwangssterilisationen in der NS-Zeit durchgeführt wurden. Die anderen waren das Städtische Krankenhaus (heute Klinikum) und das Heinrich-Lanz-Krankenhaus, das nicht mehr existiert.

 

19.11.2009:
Medizinische Fakultät Mannheim-Heidelberg

Zwangssterilisation med fak hd

Die Medizinische Fakultät Mannheim-Heidelberg ist Gastgeber der Veranstaltung. Sie findet im Hörsaal H02 in der Alten Brauerei, Mannheim Röntgenstr.7 statt.

 

5. 2. 2009:
Landgericht Mannheim, großer Schwurgerichtssaal.

Landgericht MannheimDer Präsident des Landgerichts und engagierte Anwälte in Mannheim haben unseren Wunsch, für dieses Thema eine möglichst große Öffentlichkeit zu sensibilisieren, positiv aufgenommen.

 

4. 11. 2008:
Universitätsklinikum Mannheim

Zwangssterilisation UniversitaetsklinikumIm großen Hörsaal des Universitätsklinikums Mannheim

Vor 75 Jahren war dies Haus das städtische Krankenhaus, in dem Zwangssterilisationen durchgeführt wurden.

 

27. 10. 2008:
Gesundheitsamt Mannheim

Lesung im GesundheitsamtEine zweite Aufführung im Gesundheitsamt, auf Einladung des Fachbereichs Gesundheit der Stadt Mannheim.

 

14. 6. 2008
Uraufführung im Gesundheitsamt Mannheim

Szene aus der Lesung im Gesundheitsamt Mannheim

Rede in Auszügen:

… Es waren die Gesundheitsämter, zu deren Kernaufgabe in der NS-Zeit die Erb- und Rassenpflege gehörte. Deshalb danken wir dem Fachbereich Gesundheit in Mannheim, namentlich Frau Dr. Engler-Thümmel und Frau Cussnick für die Unterstützung unseres Anliegens. Unser Wunsch ist es nämlich, für dieses Thema eine möglichst große Öffentlichkeit sensibel zu machen, insbesondere in den Behörden und Einrichtungen, die damals direkt oder mittelbar an den Zwangssterilisationen beteiligt waren. Wir möchten sie dabei auch zu eigener Erinnerungsarbeit anregen…

Ist die Eugenik denn heute, 75 Jahre danach, überwunden?

Szene aus der Lesung im GesundheitsamtWir meinen nein. Juristen und Politiker haben das Wort Eugenik lange gemieden, die Ziele der Eugenik haben sie jedoch nicht wirklich fallen lassen. Es war kürzlich ausgerechnet das Bundesverfassungsgericht, das sich nicht scheute, beim Urteil zum Geschwister-Inzest eugenische Gesichtspunkte ganz offen in Betracht zu ziehen…

Die Eugenik ist im Nationalsozialismus nicht missbraucht worden, im Gegenteil, sie ist konsequent angewendet worden. Eugenik ist rassistisch, sie selektiert in erwünscht und unerwünscht, Eugenik grenzt aus in lebenswert und lebensunwert, sie betrifft Menschen existenziell.

Das wollen wir nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Redebeitrag des AK-Justiz hier herunterladen

Print Friendly and PDF