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  Rede des Arbeitskreises Justiz beim Verlegen der Stolpersteine für zwei Opfer der NS-Justiz

Willi und Wilhelmine Hartnagel -
Opfer der Justiz im Nationalsozialismus

In der Mannheimer Innenstadt in F 4,6 wurden am 7. Mai 2007 sogenannte Stolpersteine verlegt. Diese erinnern an das Ehepaar Willi und Wilhelmine Hartnagel, die gleich mehrfach das Opfer von NS-Juristen wurden.
Sie gingen beide einem Beruf nach, Willi als Lagerarbeiter, Wilhelmine als Straßenbahnschaffnerin. Schon 1938 wurden sie 18- und 24-jähig vor das Erbgesundheitsgericht zitiert, das sie nach dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" als "schwachsinnig" und "schizophren" einstufte. Das Erbgesundheitsgericht entschied, dass sie zwangssterilisiert werden sollten. Erst nachdem sie beide gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht waren, durften sie heiraten.
Im September 1943 wurde Willi Hartnagel von seinem ehemaligen Arbeitgeber Weickum, Ratsherr und Ortsgruppenleiter der NSDAP (Sandhofen) mit einem florierenden Wein- und Spirituosen Handel, angezeigt: Willi Hartnagel habe 6 Flaschen Wein aus dem zerbombten Weinlager entwendet. Ein solches Vergehen, - heute würde man sagen: ein Baga-telldelikt - wurde in der NS-Zeit mit der Todesstrafe belegt, wenn es unter "Ausnutzung der Verdunkelung" oder in Kriegsruinen verübt wurde.
Vor dem Sondergericht wurde den jungen Eheleuten Hartnagel, die beide nicht vorbestraft waren, nun ein Prozess gemacht, in dem sie keinerlei Möglichkeit der Verteidigung hatten.
Die Richter befanden, dass Willi Hartnagel die Straftat "infolge seiner psychopathischen Haltlosigkeit und moralischen Minderwertigkeit" ausgeübt habe. Unzurechnungsfähigkeit liege nicht vor. Das Gericht verurteilte ihn als "Volksschädling" zum Tode. Am 2.3.1944 wurde er in Stuttgart hingerichtet.
Seine Frau Wilhelmine wurde zu vier Jahren Zuchthaus wegen "Beihilfe" verurteilt. Sie musste diese Strafe noch bis Ende 1946 absitzen.
Diese Nazi-Urteile wurde erst 1998 als NS-Unrecht aufgehoben. Im Westflügel des Schlosses und im heutigen Amtsgericht haben von 1933-1945 nationalsozialistische Richter und Staatsanwälte zahllose Prozesse geführt und mit ihren Un-rechts- und Terrorurteilen Angst und Schrecken verbreitet Allein vor dem Mannheimer Sondergericht sind ca. 3000 Menschen angeklagt und verurteilt worden, darunter 84 zum Tode. Keiner der Richter wurde dafür jemals zur Rechenschaft gezogen. Die meisten wirkten in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik wieder an Gerichten und anderen Justizbehörden.

Verlegung
 der Stoplersteine für Wilhelm und Wilhelmine Hartnagel in F4,6

Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine in F4,6 in Mannheim

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