Projekte

"Arisierung"

NS-Justiz

Pogromnacht

NS-Zwangssterilisation

  Das Gegenteil von Grau
Ansgar Wimmer, Hamburg: "Auch für die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. war der Weg zu Transparenz und Offenheit im Umgang mit ihrer Geschichte eine mühselige, zunächst widerwillig begangene und nicht immer widerspruchsfreie Gratwanderung." (Text hier herunterladen).


Parallelen und Unterschiede: vertuschte
NS-Karriere eines Mannheimer Finanzbeamten

Dr. Bruno Helmle, Ex-Ehrenbürger von Konstanz, geboren 1911, bis 1945 tätig als Finanzbeamter in MA, bis 1980 OB in Konstanz. Aberkennung der Ehrenbürgerschaft im April 2012
Gutachten von Dr. Klöckler ua. herunterladen 260 KB

Dokumentiert:
arisieren - verschweigen - stiften

Der rechtschaffene Kaufmann Heinrich Vetter
Ein öffentliches Bild wird korrigiert

Was ist denn das für eine Fahne? Veröffentlicht 1987. Vertuschen wörtlich genommen.

Ein inszenierter und bebilderter Wortwechsel
am 9. Mai 2012 im Jugendkulturzentrum FORUM.

Dramatisierung und Regie: Eva Martin-Schneider
(Dokumentation der Veranstaltung hier herunterladen, 150 KB ).

Die Veranstaltung ist die zweite in der Reihe der Mannheimer Erinnerungskultur zur "Arisierung", die bereits bei ihrem Beginn auf großes Publikumsinteresse gestoßen ist.
Die Verdrängung von Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben - bereits in den Jahren 1933 bis 1938 - war ein gigantischer Raub, der auf gesetzlicher Grundlage und vor aller Augen stattfand. Nach 1945 und bis heute wurden diese Tatsachen von den Nutznießern weitgehend verdrängt und verschwiegen.
Heinrich Vetter ist durch sein anerkanntes Mäzenatentum, seine Stiftung und durch seine vielfachen Ehrungen ein ganz besonderer Fall - und gleichzeitig ein prominentes Beispiel für das Schönreden oder Weglassen, was nicht ins Bild passt.
Der Arbeitskreis Justiz wagt sich an ein heißes Eisen: "Wir wollen mit unserer Veranstaltung erreichen, dass das Verschweigen ein Ende hat und eine produktive Auseinandersetzung beginnen kann."

Flyer der Stadt Mannheim zur Veranstaltungsreihe hier herunterladen.
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Das "Mannheimer System" 1933 - 38
Aufarbeitung und Verschweigen von "Arisierung" in Mannheim
Vorreiterrolle des Mannheimer Finanzamtes
bei der Ausplünderung und Überwachung


Illustrationen zur Veranstaltung Das Mannheimer Finanzamt war im Nationalsozialismus reichsweit Vorreiter bei der Ausplünderung und Überwachung der jüdischen Bevölkerung. Neue Erkenntnisse gibt es auch über die Zuarbeit der IHK, städtischer Stellen und anderer lokaler Institutionen.
Eine Veranstaltung am 9.11.2009 in Erinnerung an die Reichspogromnacht;
Referenten: Heiner Ritter und René Skusa.

Veranstaltungs-Flyer Dokument herunterladen (PDF 370 KB)
Die Vorträge können hier als PDF-Dateien heruntergeladen werden:
(Referat "Arisierung" herunterladen, 566KB ).
(Referat "Mannheimer System" herunterladen,473KB )

Die Vortäge sind auch als Audio-Datei dokumentiert unter: "Audioarchiv" des bermuda.funks

Direkte Links zu den Audiodokumenten:
"Rede von Heiner Ritter(AKJM)"
"Vortrag von Rene Skusa - Teil 1"
"Vortrag von Rene Skusa - Teil 2"

Betrifft: "Aktion 3".
Deutsche verwerten das Eigentum jüdischer Nachbarn.
Dokumente zur "Arisierung" von
Gegenständen des täglichen Gebrauchs


  • Um was geht es?
  • Recherche und Dokumente in Mannheim
  • Referate zu Mannheim als PDF-Datei
  • Bilder von der Ausstellung
  • Chronik der Veranstaltungen
  • Zeitzeugen gesucht


  • Um was geht es:


  • Legalisierter Raub
    Unmittelbar nach der Deportationen der Juden - im Oktober 1940 von Mannheim in das Konzentrationslager Gurs/Südfrankreich, - wurden deren zurückbleibendes Eigentum vom NS-Staat enteignet, versteigert und verkauft. Unter den Hammer kamen dabei nicht nur Schmuck und Kunstgegenstände der jüdischen Bevölkerung, sondern auch alltägliche Gebrauchsgüter wie Küchenstühle, Geschirr und Kleidung. Zu den neuen Besitzern zählten neben NS-Parteiorganisationen vor allem Privatleute. Nahezu jede ausgebombte Familie saß gegen Kriegsende an einem Tisch, der aus dem Besitz ehemaliger jüdischer Nachbarn stammte oder aus Wohnungen der Juden im besetzten Europa herangeschafft worden war. Für jeden geraubten Gegenstand gab es eine Quittung mit Herkunftsvermerk und Stempel, eine Unterschrift des zuständigen Beamten und einen neuen Nutznießer: Dokumente der Beteiligung und des Mitwissens großer Teile der deutschen Bevölkerung.
    "Aktion 3" war der Deckname für die Deportation, "Aktion M" für die Überführung der "Beutemöbel" aus dem besetzten Europa ins Reich.

    Alles ordnungsgemäß
    Die Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung sollte keineswegs der Straße überlassen bleiben. Gesetze und Verordnungen anstelle eingetretener Schaufenster und roher Gewalt führten zur systematischen Entrechung und Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung. Gesetzestreue Handlanger, nicht brutaler Schläger, führten den Raubzug durch. Wer beteiligt war, sollte das Gefühl haben, dass er dafür keine Verantwortung zu tragen brauche. Penibel wurde der Anschein von Rechtmäßigkeit aufrechterhalten, auf den Pfennig genau. Jedes Detail war per Vorschrift geregelt. Diese Ausplünderung war ein wichtiger Teil der Vernichtungsmaschinerie und zugleich Bestandteil der NS-Kriegswirtschaft. Hinter der stufenweisen Entrechtung stand ein Plan: nach dem Raub kam der Mord. Das Geheimnis war kein Geheimnis, sondern Legalität. Alles geschah "ordnungsgemäß".

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    Nach 1945 herrscht Schweigen
    Der Unrechtsstaat war besiegt, die NSDAP und ihre Organisationen zerschlagen, doch die (Finanz-)Beamten arbeiteten durchweg weiter. Wiedergutmachungsansprüche überlebender Juden wurden oft von den selben Finanzbeamten geregelt, die vorher deren Hab und Gut verscherbelt hatten. Die wenigen zurückgekehrten Opfer mussten erneut in langen und entwürdigenden Prozessen nachweisen, dass dies und jenes ihr Eigentum gewesen war oder dass sie tatsächlich die Erben seien. Der Zugang zu den Akten und deren Veröffentlichung war ein schwieriges Unterfangen. Ein bleiernes Schweigen über die Täter und Nutznießer des legalisierten Raubes herrscht teilweise bis heute.

    Fragen stellen!
    Auch in Mannheim wurde nach der Befreiung 1945 vieles unter den Teppich gekehrt und der Mantel des Schweigens über die Mitschuld gelegt. Es wurde von den (Mit-)Tätern alles unternommen, um eine Vielzahl von NS-Unterstützer- und "Mitläufer"-Karrieren in Vergessenheit geraten zu lassen. Die großen Arisierungsgewinnler wurden - wenn auch sehr zögerlich - bekannt. Aber was ist mit den netten Nachbarn, die sich die Wäsche der deportierten Juden legal ersteigerten? "Wir haben doch davon nichts gewusst" und der "Überlebenskampf in den zerbombten Städten" ist über Jahre hinweg entschuldigend entgegnet worden. Dass sich die Mitmacher und Zuschauer dies nach dem Krieg nicht einmal eingestehen wollten oder konnten, dass sie ihre individuelle Schuld leugneten, dieses gesellschaftliche Versagen hat Ralf Giordano mit den Stichworten von "der zweiten Schuld" oder "dem großen Frieden mit den Tätern" treffend beschrieben.


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  • Recherche und Dokumente zu Mannheim
  • Für Mannheim sind zu diesem Thema nur wenige Dokumente und Unterlagen aus der NS-Zeit im Stadtarchiv erhalten, die derzeit mit Unterstützung von Studenten der Universität Mannheim gesichtet und ausgewertet werden. Tatsächlich gab es jede Menge Akten, denn penibel wurde vom NS-Staat der Anschein von Rechtmäßigkeit aufrechterhalten, auf den Pfennig genau. Auch nach 1945 wurde neue "Vorgänge" von Finanzämtern angelegt. Im Generallandesarchiv sind viele Akten der "Wiedergutmachung" erhalten. Bei der Ausstellung werden die Ergebnisse der Recherchen erstmals öffentliche dokumentiert.
    Die in der Ausstellung gezeigten Dokumente wurden vom Stadtarchiv Mannheim, dem Generallandesarchiv Karlsruhe, der Jüdischen Gemeinde und von Privatleuten zur Verfügung gestellt.

    Die jüdische Gemeinde in Mannheim
    von 1933 bis 1945

    Die Mannheimer Jüdische Gemeinde gehörte 1933 mit ihren 6.402 Mitgliedern zu den größten in Süddeutschland. Bereits fünf Jahre nach der Machtergreifung Hitlers waren 1.000 jüdische Betriebe und Geschäfte in Mannheim aufgegeben worden. Die 500 noch existierenden wurden im Laufe des Jahres 1939 geschlossen oder zwangsarisiert. Das Kriegsende erlebten in dieser Stadt nur noch 60 Juden. Fast 4.000 konnten in den zwölf Jahren emigrieren oder fliehen.
    In den Vernichtungslagern wurden 2.160 Mannheimer und Mannheimerinnen ermordet. Viele Schicksale sind bis heute ungeklärt.

    Bereits am 22./23. Oktober 1940, ein Jahr früher als reichsweit, wurden die badischen Juden, darunter 1972 Mannheimer, in das Konzentrationslager Gurs (Südfrankreich) verschleppt. Gestapo und Polizei hatte sie aufgefordert, innerhalb von zwei Stunden das Nötigste zu packen. Sie durften 50 kg Gepäck , 100 RM und "Reiseproviant" mitnehmen. Bereits auf dem Transport und in Gurs starben 655 Menschen aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen. Ab Sommer 1942 wurden die meisten nach Auschwitz deportiert und ermordet.


    Einen Tag nach der Deportation von 1.970 Menschen jüdischer Herkunft aus Mannheim ließ Oberbürgermeister Renninger Bekanntmachungen im Hakenkreuzbanner und in der Neuen Mannheimer Zeitung absetzen: wegen der "frei gewordenen Wohnungen" solle abgewartet werden.

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    Versteigerungen durch das Finanzamt
    Der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident und ein Vertreter der Handelskammer entschieden Anfang November 1940 über die "Verwertung jüdischen Vermögens". Zwei Wochen später annoncierte das Finanzamt Versteigerungsanzeigen mit dem deutliche Hinweis auf "Haushaltungsgegenstände aus nichtarischem Besitz".

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    Verwertung von beschlagnahmtem Umzugsgut
    Zahlreich sind die Mannheimer Dokumente über die Verwertung des aus dem besetzten Europa zusammengeraubten jüdischen Eigentums und des zurückgeholtes Umzugsgutes jüdischer Emigranten. Insgesamt sind 408 Güterzugwaggons mit Lifts, Kisten und Koffern nach Mannheim geschafft worden.

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    Suche nach Kunst und Wertgegenständen
    In dem geraubten Umzugsgut der Emigrierten wurde Wertvolles vermutet, das es "zu versilbern" galt.
    Das Finanzamt hatte eine spezielle Stelle, die "Finanzverwaltung des jüdischen und reichsfeindlichen Vermögnes", eingerichtet die in F1,11 ihren Sitz hatte. Dies war die Adresse der Klaussynagoge, die in der Pogromnacht 1938 verwüstet worden war.
    Zur "Aussonderung von Kunstwerken aus den Lifts" arbeitet das Finanzamt mit Experten zusammen : Den Direktoren der Mannheimer Kunsthalle und des Schloßmuseums sowie mit einem Bildhauer.

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    Gründung einer "Verwertungsstelle für volksfeindliches Vermögen"
    Im Herbst 1942 wurde eigenes eine "Verwertungsstelle für volksfeindliches Vermögen" (oft auch "volksfremdes Vermögen") kurz "VVV" eingerichtet. Bei den Sitzungen treffen sich hochrangige Vertreter der NSDAP, Industrie- und Handelskammer, der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, des Finanzamtes und des Zollamtes. Honorige Herrschaften aus dem Fachhandel wie die Herren Engelhorn, Bazlen und Telkamp bringen ihre Erfahrungen als "Schätzer" und Kaufleute ein, als Kunst-Sachverständige sind der Direktor der Kunsthalle und des Museums zugezogen.
    Die offizielle Leseart war dagegen, dass die Waren für die sog. "Fliegergeschädigten" in Mannheim bestimmt seien. Tatsächlich gab es erst ein Jahr später, ab September 1943, viele Ausgebombte zu versorgen.

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    Der "Fachhandel" verdient kräftig mit
    Die Lifts werden unter der Aufsicht von Vertretern der "Verwertungsstelle für volksfeindliches Vermögen" einzeln ausgepackt. Nachdem Partei- und Staatsinstanzen kostenlos Gegenstände erhalten hatten, wird der übrige Inhalt einzeln aufnotiert und durch Fachleute aus dem Handel geschätzt.

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    Der Fachhandel kauft die wertvolleren Teile zum Schätzpreis, muss einen Aufschlag von 12 Prozent an das Finanzamt abführen und kann die Waren im freien Verkauf anbieten.
    Die Massenware aus dem Beutezug wurde über die Verwertungsstellen angeboten, bei der man nur mit Bezugsschein einkaufen konnte. Bezugsscheine erhielten Ausgebombte aber auch Neuvermählte, Kinderreiche und sonstige Bedürftige. Hier wurde die Preisgestaltung genau überwacht. Auf der Quittung stand die Nummer des Lifts, das Datum und der Name des Käufers.

    Riesige Verkaufsräume in N7,3
    Das Verkaufslager in O7,8. reichte bald nicht mehr aus, Verpackungsmaterial stapelte sich auf den Planken, der Hauptverkehrsstraße. Die Stadt stellt Lagerräume in der U2-Schule zur Verfügung.

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    Verkaufsräume von jetzt 1.100 qm werden 1943 in N7,3 vom Kaufhauses Vetter angemietet. Die Waren kommen nun auch aus Paris Immer wieder versucht der Wirtschaftsprüfer nd Treuhänder Rappman, eine Umsatzsteuerbefreiung zu erreichen.
    In den 30 Monaten ihres Bestehens erwirtschaftete die Verwertungsstelle 2,3 Millionen Reichsmark.
    Aus den Einnahmen der Verkäufe wurde das meiste an das Finanzamt abgeführt. Außerdem erstattet die "VVV" die Lohnkosten für die Verkäuferinnen (ca 100 RM im Monat), den Geschäftsführer, die Mietkosten, die Kosten für die Schätzer und den Treuhänder (Rappmann).
    Dabei flossen auch der NSDAP aus dieser Quellen in den Jahre 1942 - 1944 fast 120.000.- Reichsmark zu. Weitere Ausgaben der VVV wurde akribisch notiert: große Mengen von Alkohol und Zigaretten für den Volkssturm und Einsatzkräfte, Hotelkosten für "pol. Leiter" usw.

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    Gigantische Umsätze bis Januar 1945
    Mit dem Näherrücken der Front Ende 1944 wurde die "VVV" nach Tauberbischofsheim evakuiert. Bis zum Januar 1945 liefen die Bankgeschäfte von dort aus weiter. Die monatlichen Überweisungen an das Kaufhaus Vetter und an das Finanzamt wurden bis Januar 1945 ordnungsgemäß erledigt. Danach stellte die "VVV" ihre Tätigkeit ein.

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    Treuhänder Rappmann wurde nach dem Krieg von den Amerikanern beauftragt die VVV abzuwickeln.
    Jüdische Überlebende und Emigranten forschten noch jahrelang nach dem Verbleib ihres Besitzes und warteten vergeblich auf Entschädigung.

    Referate als PDF-Datei

    Die fünf Referate der Veranstaltung vom 13.01.05, die den Stand unserer derzeitigen
    Recherchen darstellen, können hier als PDF-Datei herunter geladen werden.
    Es handelt sich um ca. 20 Seiten, Dateigröße: 146 KB.

    Dokument herunterladen



    Zeitzeugen und Dokumente willkommen:
    Wer durch Erinnerungen und sonstige Hinweise die Erarbeitung dieses Teils der Stadtgeschichte unterstützen möchte, kann sich an den Arbeitskreis Justiz in Mannheim wenden oder direkt an die Referenten der Veranstaltung:
      rene.skusa@web.de
      jbarke@gmx,de
      steffenbode@hotmail.com


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